Geboren 1887
Gestorben 1985

Illusionistin im Wiener Prater

Von Anfang an gab es im Wiener Prater nicht nur das große und geheimnisvolle Zaubertheater des Kratky-Baschik, sondern auch kleinere Etablissements. Hier verwendete man alle Tricks, die es gab und noch einige dazu. Hier wirkte auch Wilhelmine Budinsky, zu ihren Nummern gehörte die indische Witwenverbrennung. Frau Budinsky erzählte von einem Malheur, das ihr als »lebend schwebendes Phantom« passierte. Sie wurde mit einem Tuch zugedeckt. Der Direktor sprach ein paar Zauberworte, währenddessen öffnete sich die Falltür, eine Puppe nahm die Stelle Budinskys ein und der Direktor zog einen Reifen über die Gestalt. Während dieses Täuschungsmanövers erschien aber einmal die Puppe nicht in waagrechter Lage. Der verärgerte Direktor rief daraufhin etwas zu laut: »Haxen höher, Schädel tiefer!« Das Publikum brüllte vor Lachen. Wilhelmine Budinsky trat auch in verschiedenen Praterhütten als »Dame ohne Unterleib« auf und konnte das Publikum mit perfekten Illusionsnummern fesseln.

Ihre Karriere begann sie mit 16 Jahren. Noch vor dem Ersten Weltkrieg unternahm sie eine fünfjährige Tournee nach Pola, Triest, Olmütz und andere Städte. Im Prater, wo sie 16 Jahre lang auftrat, trug sie den Künstlernamen »Fiametta«. Sie trat auch in der »Weltschaubühne« und in der »Schaubühne« auf.

Ihre Tochter Wilhelmine Kirnig trat im Prater in kleinen Rollen auf und spielte unter dem Künstlernamen »Minna Ritter« in fünf Bühnenstücken die Rolle der Liebhaberin und der »komischen Alten«. Wilhelmine Kirnig galt als große Kennerin des alten Praters.

Beide gehörten der Wiener Reformierten Gemeinde an. Das Urnengrab ist auf dem Gelände des Wiener Krematoriums.

Aus: Monika Salzer/Peter Karner: Vom Christbaum zur Ringstraße. Evangelisches Wien. 2., verbesserte Auflage, Wien 2009, S. 175-176

 

>>> zu DER WIENER PRATER