Geboren 1734 in Reutlingen
Sterbedatum: unbekannt

Buchhändler

Georg Philipp Wucherer war der Sohn eines evangelischen Pfarrers und hatte sechs Geschwister. Einer seiner Brüder war evangelischer Predigers zu Gnese [Gnesau] und Seniors in Kärnten Gabriel Wucherer.

Auf Wunsch des Vaters wurde er zum Kaufmann ausgebildet. Nachdem er einige Jahre als Kaufmann mit eigenem Geschäft erfolgreich in Reutlingen, dann bei Firmen in Klosterneuburg, Graz und Wien tätig gewesen war, erwarb er 1783 die Großhandlungsfreiheit und eröffnete in Wien eine Buchhandlung. Die Buchhandelsfreiheit, dh. die Genehmigung, Bücher außerhalb der Marktzeiten zu verkaufen, wurde ihm nach mehrmaligen Ansuchen, erst im Jahr 1785 erteilt. Sein zum Händler geeigneten Charakter sowie verschiedenen sozialen Kontakte machten ihn bald zu einem der wichtigsten Buchhändler im josephinischen Wien.

Er war evangelisch A.B. und gehörte dem Vorsteherkollegium der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. an. Die Gemeinde verwendete das von ihm herausgegebene „Christliches Gesangbuch zum Gebrauche der Gemeinen der Augsburgischen Confessionsverwandten in den k.k. Erblanden“.

Doch der geschäftstüchtige Schwabe machte sein Geld vor allem mit primitiver Broschürenliteratur, verbotenen Büchern sowie skrupellosen Nachdrucken und gab anonyme Pamphlete heraus, deren Verfasser er meist selbst war. Die Polizei misstraute seinem sozialen Netzwerk und hielt ihn wegen der Verbreitung verbotener Bücher über sein weiteres Buchhandelsnetzwerk für einen schädlichen und gefährlichen Menschen.

Als sein schlechter Ruf der Evangelischen Pfarrgemeinde schadete, legte man ihm nahe, »freiwillig« aus dem Vorsteherkollegium auszutreten. 1790 wurde er schließlich des Landes verwiesen und verlor sein Groß= und Buchhandlungsrecht. Die komplizierte Abwicklung des Verkaufs bzw. die Versteigerung der Bestände in Wucherers Bücherlager zog sich bis 1795 hin.

 

Siehe auch:

  • Der Verlagsbuchhandel
    Monika Salzer/Peter Karner: Vom Christbaum zur Ringstraße. Evangelisches Wien. 2., verbesserte Auflage, Wien 2009, S. 189 – 192

 

Literatur (Auswahl):

 

Weblinks (Auswahl):