Theophil Hansen
Theophil Hansen,
Lithographie von Josef Bauer, 1880
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theophil_Hansen_Litho.JPG?uselang=de-at

Geboren am 13. Juli 1813 in Kopenhagen,
gestorben am 17. Februar 1891 in Wien.

Dänisch-österreichischer Baumeister und Architekt des Klassizismus und Historismus.

Architekturausbildung an der Kopenhagener Kunstakademie unter Gustav Friedrich Hetsch, war vom französischen Klassizismus und dem Werk Karl Friedrich Schinkels bestimmt, zeigte sich aber auch einem materialgerechten Bauen mit der Verwendung von Terrakotta und Rohziegel gegenüber aufgeschlossen.

In Athen, wohin Hansen 1837 seinem älteren Bruder, dem Architekten Hans Christian Hansen, gefolgte war, beschäftigte er sich intensiv mit der Erforschung der antiken und byzantinischen Denkmäler. Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit dem Bruder, konnte er als Architekt bald auch eigene Bauten verwirklichen.

1846 folgte einer Einladung Ludwig Försters nach Wien, um mit diesem in einer Ateliergemeinschaft zusammenzuarbeiten. Er kehrte aber immer wieder nach Athen zurück, um dort verschiedene Bauprojekte durchzuführen.
Hansen und Förster errichteten zusammen eine Reihe von Miethäusern, Villen, Gustav Adolf-Kirche in Wien 6, Gumpendorfer Straße (1846–49), sie nahmen gemeinsam an einigen Konkurrenzen teil und wurden mit der Errichtung der Gewehrfabrik, der Werkstätten und des Waffenmuseums betraut.
Hansen war aber bestrebt, sich künstlerisch selbständig zu profilieren und 1852 wurde die Partnerschaft aufgelöst.

Bei den Bauten aus der Anfangsphase seiner selbständigen Tätigkeit dominierte eine dem Byzantinischen entlehnte Formensprache. Hauptaufgabe des nun selbständigen Architekten war zunächst der Bau des k.k. Hof-Waffenmuseum im Arsenal in Wien. Es folgten weitere Aufträge für militärische Kreise, auch nahm er an einigen Wettbewerben teil, erhielt von Erzherzog Leopold den Auftrag zur Umgestaltung von Schloss Hernstein, NÖ (1852) und einen von Baron Sina für den Straßentrakt der griechisch-orthodoxen Kirche am Fleischmarkt (Wien 1, 1857). Der evangelischen Gemeinde bot er Pläne für die Bauten des neu zu errichtenden Matzleinsdorfer Friedhofs an (Wien 10, 1857), die erfreut angenommen wurden, und er blieb auch weiterhin für die evangelische Gemeinde tätig.

In seinen Anfängen, so beim k.k. Hof-Waffenmuseum im Arsenal in Wien, noch eher auf einen romantischen Stil ausgerichtet, wurde Hansen später zum herausragendsten Vertreter des an der Renaissance orientierten strengen Historismus (Neorenaissance). die er erstmals beim Palais Sina (Wien 1, Hoher Markt 8–9, 1859) und auch bei der kurz danach errichteten Schule der evangelischen Gemeinde am Karlsplatz (Wien 4, 1860) verwendete. Dieser Stil, von ihm auch Wiener Stil genannt, erstreckte sich bis in die kleinsten Details der Inneneinrichtung und nahm teilweise Züge eines Gesamtkunstwerks an. Auch in Wien trachtete er danach, das Motiv des griechischen Tempels in seine Architektur einzugliedern – das von ihm geplante Haus des Wiener Musikvereins und sein bekanntestes Werk, das 1883 eröffnete Reichsratsgebäude (Parlament) in Wien wurden nach Vorbildern aus der griechischen Antike erbaut. Bei seinen späten Bauten, der Wiener Börse und Akademie der bildenden Künste, verwendet Hansen wieder italienische Renaissancemotive für die Fassadengestaltung.

Hansen war vielseitig tätig, er gestaltete Grabmäler und Denkmäler, befasste sich mit Innenraumgestaltungen und kunstgewerblichen Entwürfen für Möbel, Glas und Interieur-Details. Selbstverständlich war er auch ein gesuchter Juror bei verschiedenen Konkurrenzen. Mit seinem 70.Geburtstag (1883) beendete er seine Lehrtätigkeit an der Akademie, löste auch sein Baubüro auf, behielt jedoch die im Bau befindlichen Projekte weiterhin im Auge.

Im Jahr 1863 wurde Hansen zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. 1867 erhob ihn Kaiser Franz Joseph I. in den Ritterstand. 1868 wurde er als Professor an die Akademie berufen (bis 1883) und 1884 vom Kaiser in den österreichischen Freiherrenstand erhoben.

 

Literatur:

  • Salzer, Karner: Vom Christbaum zur Ringstraße, S. 78

 

Weblinks (Auswahl)